Geschichte des Gebäudes

Das Stadtmuseum ist in zwei 350 Jahre alten Fachwerkhäusern direkt neben der gotischen Stadtkirche untergebracht. Über zweihundert Jahre lang beherbergten die beiden Gebäude die Lateinschule (Kirchplatz 9) und die Deutsche Schule (Kirchplatz 7).
 
Bereits seit 1357 bestand die Lateinschule in Schorndorf, in der Lesen, Schreiben und Latein gelehrt wurde. Der erfolgreiche Besuch der Schule ermöglichte den Jungen eine weitere Bildung auf Klosterschulen und den Zugang zum Studium am Tübinger Stift. Einige herausragende Persönlichkeiten besuchten in ihrer Jugend die Schorndorfer Lateinschule, unter anderem Sebastian Schertlin von Burtenbach, Johann Philipp Palm, der erste Ministerpräsident von Baden-Württemberg Reinhold Maier und Gottlieb Daimler.
 
Die Lage des ersten Schulgebäudes ist nicht gesichert, jedoch berichtet der Chronist Martin Crusius, dass 1562 auf dem ehemaligen Kirchhof der Keller für die Lateinschule ausgegraben wurde. 1569 wurde das Gebäude fertiggestellt. Während des Dreißigjährigen Krieges zerstörte ein großer Brand beinahe die komplette Stadt Schorndorf. Die Lateinschule wurde 1650 als Fachwerkbau über einem massiven Erdgeschoss wieder aufgebaut. Das Nebengebäude errichtete man 1684, um Platz für die Unterrichtsräume der Deutschen Schule, eine Art Volksschule, zu schaffen. Seit 1538 wurden die Kinder ärmerer Bürger von einem Schulmeister der Lateinschule im Deutschen unterrichtet.
 
Die Wohnungen der Lehrer waren ebenfalls in den jeweiligen Schulgebäuden untergebracht. Das Erdgeschoss wurde landwirtschaftlich genutzt, da der Lohn der Lehrer nur zu einem Teil in Geld ausbezahlt wurde. Ihr Einkommen bestand auch aus Naturalien und Nutzungsrechten, zum Beispiel an einem Acker. Landwirtschaftliche Arbeit war daher für den Lebensunterhalt unentbehrlich.
 
Die Räume der Deutschen Schule wurden im 18. Jahrhundert zu klein für die wachsende Zahl der Schüler. Die Schule wurde erst in ein Gebäude am heutigen Bahnhofsplatz verlegt und erhielt 1873 als Knabenschule einen Neubau (heutige Künkelinschule). In den frei gewordenen Schulräumen wurden Wohnungen eingerichtet.
 
Die Lateinschule zog erst 1906 in die neu erbaute Realschule, das spätere Burggymnasium, um. Nachdem das Gebäude einige Jahre ebenfalls als Wohnraum genutzt wurde, zog 1938 das Heimatmuseum in die ehemalige Lateinschule am Kirchplatz 9 ein und wurde als "Städtisch-Palm'sches Museum" eröffnet. Erst knapp 60 Jahre später wurde das Nachbarhaus am Kirchplatz 7 umgebaut und ist seitdem Teil des Stadtmuseums.

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